Allzeit frischer Wind – die kontrollierte Wohnraumbelüftung

Wer kennt das nicht, die abgestandene Luft im ganzen Haus nach der Rückkehr aus dem Urlaub.
Oder den Mief im Schlafzimmer am Morgen nach einem ausgiebigen Knoblauchmahl beim Spanier um die Ecke.

Natürlich kann man jetzt die ganze Nacht das Fenster offen stehen lassen, das klappt dann aber auch nur, wenn draußen ein leichter Wind weht und die Rollos auch entsprechend viel Luft durchlassen, was den Raum früh morgens schon unangenehm erhellt (und ich mag’s im Schlafzimmer ja gerne stockdunkel). Zudem gieren draußen Unmengen blutrünstiger Stechmücken nach meinem Blut und drängen sich Abends, angezogen durch die Innenraumbeleuchtung, durch das offene Fenster, um sich auf mich zu stürzen, schlimmer als jeder Zombie bei The Walking Dead das jemals könnte. Abhilfe würden zwar Insektenschutzgitter bringen, aber die fest installierten stören tagsüber die Sicht nach draußen.
Und in der kalten Jahreszeit wacht man bei offenem Fenster irgendwann nachts bibbernd und halb erfroren auf, hat man doch alles schon erlebt.
Dann wären noch die vielen niedlichen kleinen Vögelchen zu erwähnen, die beim ersten Sonnenstrahl fröhlich loszwitschern, als ob ihr Leben davon abhängen würde. Da könnten wir uns ja gleich einen Hahn anschaffen! Ich hab’s im Schlafzimmer gerne ruhig, wenn ich schlafen will.
Da unser Grundstück in der Randzone einer Einflugschneise liegt, wollen wir über die Lärmbelästigung durch Flugzeuge bei offenem Fenster gar nicht erst reden. Und für heuschnupfengeplagte Menschen wie mich ist das offene Fenster ein Einfallstor für Pollen jeder Art.

Lange Rede kurzer Sinn, irgendwie muss frische Luft ins Haus, ohne dass die Fenster ständig offenstehen müssen. Daher haben wir uns für eine kontrollierte Wohnraumbelüftung mit Wärmerückgewinnung entschieden.

Die Energieeinsparverordnung schreibt vor, dass Neubauten möglichst dicht sein müssen, gleichzeitig ist ein Mindestluftwechsel sicherzustellen, was sich irgendwie widerspricht. Dichte und wenig belüftete Häuser sind außerdem anfälliger für Feuchteschäden und Schimmel und große Fensterflächen beschlagen leichter.
Daher muss man entweder alle 2 Stunden die Fenster aufreißen und die teuer erwärmte Raumluft aus dem Gebäude strömen lassen, was aber auch nur klappt, wenn man den ganzen Tag zuhause ist und außer Fensteröffnen und -schließen keine weiteren Hobbies hat oder man muss eine Wohnraumlüftung einplanen.

Funktionsweise

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Im Keller steht ein großer Kasten mit einige armdicken Rohren. Zwei der Rohre gehen nach draußen, einmal Zuluft und einmal Abluft. Neben dem Haus ragen dann zwei Edelstahltürmchen mit unterschiedlicher Höhe, damit die Zuluft nicht gleich die alte Abluft wieder einsaugt, aus dem Boden. Zugegebenermaßen sind das nicht gerade Designobjekte, aber die östliche Hausseite ist bei uns sowieso durch den außenliegenden Edelstahlkamin und zwei Fallrohren von Dach und Dachterrasse schon dermaßen verschandelt, dass die Lüftungsrohre das auch nicht mehr schlimmer machen können. Die anderen dicken Rohre gehen in Luftverteilerkästen, aus denen dann dünnere Rohre zu den einzelnen Räumen abgehen.
Je nach Raumnutzung werden die Räume mit Zu- oder Abluftkanälen bestückt, die frische Luft entweder aus der Decke (bei uns im EG) oder aus der Wand (bei uns im OG) in den Raum pusten oder verbrauchte Luft entsprechend absaugen. Küche, Bäder und WCs bekommen Abluft, Schlaf-, Wohn- und Arbeitszimmer Zuluft. Durch geschickte Anordnung kann man erwirken, dass die Luft durch das ganze Haus strömt und ein permanenter Austausch stattfindet.
Durch die aufwändige Sternverteilung der Lüftungsrohre verhindert man eine Geräuschübertragung zwischen den Räumen.

Wärmerückgewinnung

Damit man die warme Abluft nicht einfach in die Prärie bläst, wird ihr, bei Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, bis zu 90% der Wärme entzogen und an die angesaugte Frischluft übertragen, so dass stets vorgewärmte Luft in die Räume transportiert wird. Das ergibt eine enorme Energieersparnis. Im Sommer lässt sich über einen Bypass die Wärmerückgewinnung abschalten, so dass man das Haus nicht noch zusätzlich aufheizt und in warmen Nächten bekommt man dann sogar die kühlere Außenluft ins Schlafzimmer, auch bei völliger Windstille.

Angeblich arbeitet die Lüftung in den Räumen vollkommen lautlos, na da sind wir mal gespannt…

photo credit: lens-flare.de via photopin cc

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